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Eine Behinderung ist eine Tragödie, aber möglicherweise nur, wenn man sie selbst als solche empfindet.

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In unserer Gesellschaft zählen Menschen mit Behinderung zu den Benachteiligten - und in gewisser Weise stimmt das sicher. Die Möglichkeiten für Ausbildung und Weiterentwicklung sind begrenzt, die Vorurteile vor allem potenzieller Dienstgeber nicht wegzuleugnen und Benachteiligungen bei der selbstständigen Lebensführung gibt es auch genügend.

Und dennoch: Aus ganz persönlicher Sicht gehöre ich zu jenen Menschen, die auf der Sonnenseite geboren sind. Sei es nun durch mein Elternhaus, meinen Ehemann, meine Freunde, meine Lehrer, Arbeitgeber und Kollegen - und natürlich auch meine Erfahrungen und Erlebnisse.

Ja, ich habe unleugbar einige nicht unbedeutende Probleme, aber sie scheinen nicht unlösbar. Wie ich zu dieser Auffassung komme, könnte in all den kleinen Puzzle-Teilen zu finden sein, mit denen ich Sie auf diesen Seiten bekannt mache.

Ein warmes Nest

Ich war ein Wunschkind und wurde 1955 im Jahr des Staatsvertrags im Sternzeichen des Löwen geboren. Ich wage mir kaum vorzustellen, wie meine Eltern sich fühlten, als sie sechs Wochen nach meiner Geburt vom Augenarzt mit der vernichtenden Diagnose konfrontiert wurden, dass ihr Kind an einer unheilbaren und vererbbaren Netzhauterkrankung leidet, die früher oder später zur Erblindung führen würde - eine durchaus korrekte Prognose.

Dass sie daher auf weitere Kinder verzichteten, ist nur allzu verständlich, auch wenn dies immer schmerzlich für mich war; denn nichts habe ich mir so sehr gewünscht wie Geschwister.

Bis zu meinem 7. Lebensjahr wuchs ich in einer unbeschwerten, behüteten und liebevollen Atmosphäre auf und fühlte mich trotz meiner starken Sehbehinderung und die damit verbundene "Andersartigkeit", die mir nicht verborgen blieb, kein Bisschen benachteiligt oder gar im Abseits.

Schule und zweite Wurzeln

In den früheren Sechzigern war noch keine Rede von integrierter Beschulung behinderter Kinder und so kam für mich nur ein Internat in Wien in Frage. Was Für meine Eltern, vor allem für meine Mutter, eine schmerzvolle Erfahrung war, war für mich ein interessantes Abenteuer: Neugierde, Abenteuerlust und meine angeborene Frohnatur ließen mich die Trennung vom Elternhaus leicht verschmerzen, in dessen Wärme und Geborgenheit ich ja zum Wochenende wieder zurückkehren konnte - ein Refugium, das bis zum Tod meiner Eltern eine nie versiegende Kraftquelle blieb.

Aufgrund der nicht gerade üppig vorhandenen Arbeitsmöglichkeiten für behinderte Menschen war es sowohl für meine Eltern als auch für mich bald klar, dass meine berufliche Zukunft nicht in allzu großer Nähe zu meinem Heimatort sein würde - und in Wien fand ich auch schließlich meine zweite Heimat.

Nicht gerade ein Traumberuf

In den frühen Siebzigerjahren konnten blinde Menschen, soferne sie kein Handwerk wie Bürstenbinden oder Korbflechten erlernen wollten, nur zwischen der Telefonisten- oder Stenotypisten-Ausbildung wählen; letzteres habe ich getan. Es war also an der Zeit unrealistische Kindheitsträume über den Wunschberuf - in meinem Fall Innenarchitektin - abzulegen und sich einem Broterwerb zuzuwenden, der mich auch bei fortschreitender Erblindung würde ernähren können.

Nach einem nur zweimonatigen "Gastspiel" als Schreibkraft in der Röntgenstation des Krankenhauses St. Pölten, und damit in der Nähe meines Elternhauses, zog es mich nach Wien. Dank meines Lehrers und seiner guten Kontakte kam ich als Stenografin beim Strafgericht unter und fand die Arbeit zumindest während der ersten Jahre auch sehr spannend, vor allem aber lehrreich. Mit den unterschiedlichsten Delikten und deren Vorgeschichten sowie Folgen ziemlich hautnah konfrontiert zu werden, lehrt einiges über menschliche Not.

Der zweite Bildungsweg

Als "unruhiges Blut" reichte mir meine Handelsschul-Bildung und die damit verbundenen Möglichkeiten bald nicht mehr aus. Warum also nicht im zweiten Bildungsweg ein wenig Wissen tanken und die eigenen Grenzen ausreizen?

Hatte ich während meiner Schulzeit noch einen kleinen Sehrest, so war dieser Anfang 20 so weit verschwunden, dass ich mein Leben neu einrichten musste.

Neben den veränderten Bedingungen im Alltag - Orientierung, Haushalt, Urlaubsplanung, Partnerschaft und so weiter - kam auch das vorerst unterschätzte Problem der Aufbereitung von Lernunterlagen hinzu.

Dank der tatkräftigen Unterstützung durch meine Eltern, Freunde und LehrerInnen erwies sich aber gerade dieser Lebensabschnitt als eine intensive und wertvolle Zeit neuer und durchaus positiver Erfahrungen.

Berufliche Neuorientierung

Nach der Matura und einem Wechsel meines beruflichen Umfelds von der Gerichtsstenografin zur Bankangestellten begann ich mit dem Studium der Rechtswissenschaften, zu dem ich allerdings wenig Neigung entwickelte. Und da ich meinen Neigungen oft nachgebe, hörte ich auf die "innere Stimme" und kehrte nach knapp zwei Jahren der Fakultät den Rücken, um mich stattdessen auf meine beruflichen Möglichkeiten zu konzentrieren - eine Entscheidung, die ich bis heute nicht bereut habe.

Nach mehrjähriger Erfahrung in den verschiedensten Bereichen wie Bildung und Personalverwaltung, vor allem aber im EDV-Bereich, wechselte ich schließlich nach 13 Jahren von der Bank zu meinem derzeitigen Arbeitgeber als Verlagsleiterin im Blindeninstitut und kehrte somit in jenes Haus zurück, wo mein Bildungsweg begann.

Vom Beruf zur Berufung

Vom Broterwerb zur echten Aufgabe, die auch einigermaßen befriedigend ist, war es einharter und steiniger Weg, aber heute zähle ich mich zu den glücklichen angeblich nur 8 %, die nicht nur einen Job als Beruf, sondern auch eine Berufung haben - und in einem solchen Fall spielt die krasse Reduktion von einem Bank- auf ein Staatsgehalt mit nur teilweiser Anrechnung der Vordienstzeiten eine eher untergeordnete Rolle.

Ich war von Kindesbeinen an eine Leseratte und hatte immer einen starken Hang zu technischen Neuerungen - letzteres wohl vor allem wegen den damit verbundenen Bequemlichkeiten. Darum war die Verknüpfung der Produktion von Büchern und Zeitschriften mit der Möglichkeit der Digitalisierung von Texten eine spannende Herausforderung und bietet noch immer ein weites Betätigungsfeld, das noch lange nicht ausgereizt ist.

Dabei war es unvermeidlich mit dem Internet in Berührung zu kommen, meiner anfangs heimlichen und später "unheimlichen Liebe", der ich mich seit 1999 intensiv widme.

Und privat ...

Wenn ich außer meinem Elternhaus bisher den privaten Bereich nicht erwähnt habe, so vor allem, weil dieser sich wie ein stabiler roter Faden durch mein ganzes Leben zieht. Zuerst war es das "warme Nest" und selbst während meiner "Sturm- und Drangperiode", also etwa zwischen 20 und 30, als ich mein Sehvermögen ganz verlor, gab es immer Wärme und Geborgenheit, wenn auch nicht unbedingt Kontinuität. Und seit 1985 bin ich glücklich verheiratet und finde in meinem Mann dieselbe Stabilität und Rückendeckung wie in meinem Elternhaus.

In meinem Leben gab und gibt es immer Rückhalt, Unterstützung und Geborgenheit - ja selbst an meinen diversen Arbeitsstellen waren da immer Menschen, die mich gefördert, aber auch gefordert haben - und diese Erfahrungen sind meine eigentlichen Kraftquellen, die mich durch alles hindurchgetragen haben.

Ein Dank an alle, die mich ein Stück auf meinem Lebensweg begleitet haben oder noch begleiten, ist hier angebracht. Einige davon werden Sie auf diesen Seiten sicher kennen lernen.

Eva Papst