Sie sind hier:

Lernen

Zur Navigation

Futter für meine private Mediathek.

Videos blind schneiden?

29.02.2012

Zu den (2) Kommentaren

Endlich habe ich eine Möglichkeit gefunden MP4-Filme zu trimmen. Wie das auch blind funktionieren kann, halte ich für andere Nutzer von Screen Readern und all jene, die sich sonst noch dafür interessieren, in diesem Beitrag fest.

Die Aufgabenstellung

Es ist heute kein Problem mehr Filme selbst aufzunehmen - auch nicht für blinde Anwender, wenn es für diese Personengruppe zugegebenermaßen auch etliche Einschränkungen gibt. Es ist allerdings erforderlich, Werkzeuge zu finden, die folgende Anforderungen erfüllen:

Wie oder ob überhaupt ein Bild zu sehen ist, ist dabei zweitrangig.

Ein Blick in den Werkzeugkasten

Die von mir verwendeten Werkzeuge stellen keine Empfehlung dar. Ich habe mich für diese Programme entschieden, weil sie neben den oben bereits genannten Anforderungen noch zwei meiner persönlichen Wünsche zusätzlich erfüllen:

Programmliste

Im Folgenden werde ich nur auf jene Bereiche der Programme eingehen, die für die Aufgabenstellung benötigt werden.

Der Weg zur Aufnahme

Für das Aussuchen von Sendungen nutze ich vorwiegend, wenn auch nicht ausschließlich, die App von BONG.TV. Sie bietet mir im Wesentlichen drei Möglichkeiten für die Programm-Recherche:

Zu jeder gefundenen Sendung ist eine Detailansicht verfügbar, in der meist sehr ausführliche Inhaltsangaben und natürlich auch der Schalter für die Aufnahme zu finden sind. Auch Serienaufnahmen sind möglich.

Zur Ergänzung: Da BONG.TV eine eher eingeschränkte Senderliste hat, nutze ich für Programmrecherchen auch die iPhone-App TV Spielfilm sowie weitere Quellen im Internet.

Sendung aufgenommen - und was jetzt?

Sobald die Aufnahme als MP4 verfügbar ist, erhalte ich eine e-Mail und habe nun mehrere Möglichkeiten:

Filme archivieren

So komfortabel das alles auch ist, es gibt kein Licht ohne Schatten. Wie so oft bei Online-Recordern, haben die Filme einen empfindlichen Schönheitsfehler: einen unterschiedlich langen Vor- und Nachspann. Möchte ich einen Film bloß ansehen, so spule ich eben bis zum Anfang, sehe mir den Film an, stoppe am Filmende und drücke dann die Löschtaste.

Möchte ich einen Film aber archivieren, stört mich dieser Schönheitsfehler enorm. Ich habe daher lange nach einer Möglichkeit gesucht, die Filme zurechtzustutzen, ohne meinen Rechner ein bis zwei Stunden zu blockieren, weil er den Film neu speichern muss. Diese Suche hat fast neun Monate gedauert und letztlich habe ich die Lösung nicht selbst gefunden. Ein Programm kam aus dem Freundeskreis, das andre aus einer Liste.

Mit dem obigen Werkzeugkasten kann ich in angemessener Zeit und mit relativ wenig Aufwand die Filme trimmen. Mehr als 10 Minuten dauert die Prozedur auch dann nicht, wenn ich Filmanfang oder -ende nicht sofort finde.

Und so funktioniert es:

Schnittpunkte ermitteln

Welchen Player man dafür verwendet, ist nicht wichtig. Er sollte nur rasch und unkompliziert die aktuelle Position in Sekunden anzeigen und das Springen zu einer bestimmten Zeit und zum Ende der Aufnahme ermöglichen.

Ich nutze The KMPlayer, weil er am schnellsten reagiert. Für jene, die den Player ausprobieren möchten, mache ich auf eine Besonderheit aufmerksam: Das Programm verfügt über kein mit der Alt-Taste erreichbares Menü. Durch Drücken der Kontextmenütaste gelangt man jedoch an alle Befehle, und das sind sehr viele.

Wiedergabe und Pause liegen intuitiv auf der Leertaste; Mit Cursor links und Cursor rechts kann man sich in kleinen Schritten, mit STRG+Cursor in größeren Schritten durch den Film bewegen.

Ist der Filmbeginn gefunden, öffnet die Tastenkombination STRG+ALT+G einen Dialog für den Zeitsprung, in dem sowohl die aktuelle Zeit als auch die Endzeit abgelesen werden kann. (Nach Aufruf des Dialogs erreicht man diese Anzeige durch Navigieren mit dem Screen Reader um eine Zeile nach unten.)

Ich notiere die aktuelle Zeit und springe bis etwa 5 Minuten vor das Ende der Aufnahme und verlasse den Dialog mit der Eingabetaste.

Nach dem Auffinden des Filmendes lese ich erneut durch Aufruf des Dialogs mit STRG+ALT+G die aktuelle Zeit ab, notiere sie ebenfalls und schließe den Player.

Den Film trimmen

Nun starte ich das Programm My MP4Box GUI und wechsle auf die 4. Registerkarte; sie heißt "Split".

Benötigt wird jetzt die Auswahl "Extract by duration". Diese Auswahl ist mit Screen Readern nicht mit der Tastatur, sondern nur den entsprechenden Navigationstasten zu erreichen und sollte nicht mit der Auswahl "Split bei duration" verwechselt werden! Am besten, am unteren Bildschirmrand beginnen, zeilenweise nach oben wandern und einen Klick mit Cursorrouting der Braille-Zeile ausüben, sobald der Eintrag gefunden wurde, um den Fokus zu setzen.

Nun funktioniert die Bewegung mittels der Tabulatortaste wieder wie in Dialogen üblich und ich kann die zuvor im Player ermittelte Anfangs- und Endzeit eintragen und anschließend auf die Schaltfläche "Split" klicken. - FERTIG!

Die ursprüngliche Datei bleibt dabei unberührt. Die getrimmte Datei erhält einen neuen Namen mit nachgestellten Zahlenwerten.

Anmerkung zu den Eingabefeldern

Es ist wichtig zu wissen, dass es hier nicht nur die beiden Eingabefelder für Anfang- und Endzeit, sondern auch die für das Splitting nach Zeit gibt. Alle Eingabefelder sind mit einem Default-Wert vorbelegt, was deren Identifizierung erleichtert. So ist die Beginnzeit mit 45, die Endzeit mit 47 Minuten vorbelegt. Allerdings ist nach Fokussierung der Auswahl "Extratc by Duration" das Feld für die Beginnzeit mit Tab unmittelbar erreichbar.

Es ist vollbracht

Jetzt ist der Film fertig fürs Archiv und die private Mediathek und eine Menge Ballast entsorgt.

Herzlichen Dank an Webdesign weishart für den Tipp der MP4Box GUI und die vorangegangenen Recherchen, Tests und Tipps sowie an TuKSuB-Liste für den Link zu The KMPlayer.

Kommentar schreiben

2 Kommentare

  1. Roland Müller schrieb am Dienstag, 17.04.12 19:42 Uhr:

    Hallo,
    entweder habe ich die Beschreibung nicht ganz verstanden oder es ist folgendes nicht möglich?
    Wenn ein Film mehrere Werbeblöcke enthält, die herausgeschnitten werden sollen, funktioniert das auch?

  2. Eva schrieb am Dienstag, 17.04.12 20:17 Uhr:

    Hallo Roland,
    Nein, Werbeblöcke kriegst du damit nicht in den Griff. Darum habe ich ja auch von "Trimmen" und nicht von "Schneiden" gesprochen. Für das Herausschneiden von Werbeblöcken suche ich noch nach einer Lösung. Zum Glück nehme ich kaum Sendungen auf, die durch Werbung unterbrochen sind. Sollte ich auch dafür eine Lösung finden, werde ich sie nachreichen.

Einen Kommentar zu diesem Artikel schreiben:

Ich behalte mir vor, Einträge wider die guten Sitten oder den guten Geschmack zu entfernen, möchte meine Leser jedoch ausdrücklich zu themenbezogenen Kommentaren oder Fragen ermutigen.

Zurück zur Übersicht "Lernen"


Zum Seitenanfang